Hier beginnt deine Reise in eine Welt voller Abenteuer

Hier bekommst du einen ersten Blick ins Innere meiner Bücher. Neugier ausdrücklich erwünscht.

Du möchtest wissen, ob Schatten über Enduran das Richtige für dich ist?

Lies die ersten Kapitel kostenlos und begleite Thalea auf den ersten Schritten ihrer Reise – einer Reise voller Dunkelheit, Magie, Verrat und einer Liebe, die selbst den Tod herausfordert.

PROLOG

Die alten Götter sind längst vergessen und verloren sind wir in dunklen Tiefen - ohne Hoffnung, ohne Mut. Ziellos, wie ein Schiff im Sturm, gepeinigt von den Drohgebärden – so verharren wir und warten… warten auf das Ende. 

Celestine von Astalbar
Geschrieben im Jahr der Wende

 

Kapitel 1: Blut und Asche

Thalea streichelte Amiras gewölbten Bauch und hauchte einen Kuss auf die nackte Haut.

„Wie willst du es nennen, jetzt da wir wissen, dass es ein Mädchen wird!“ fragte sie ihre Geliebte. Die Alte Meret, die Stammesälteste, hatte in den Runen gelesen, dass Amira ein Mädchen gebären würde - sehr zur Freude aller Clansschwestern.

Amira ließ ihre Finger durch Thaleas dichtes kastanienbraunes Haar gleiten. „Ich dachte an Fenja. Was meinst du?“

Thalea zog sanfte Kreise um Amiras Bauchnabel. „Fenja klingt schön. Ein guter Name für eine stolze Kriegerin!“

Amira lachte. „Du meinst wohl, für eine Priesterin!“

Diese Diskussion, welche Ausbildung Amiras Kind später einmal erhalten sollte, hatten die beiden schon oft geführt. Amira wünschte sich natürlich, dass ihre Tochter irgendwann ebenso eine Priesterin der Göttin Niteran werden würde, wie sie. Thalea dagegen wollte sie im Kampf mit Schwert und Speer unterrichten und sie zu einer großen Kämpferin machen. Aber letztendlich würde Fenja diese Entscheidung treffen, sobald sie alt genug sein würde.

„Wir werden sehen! Nicht wahr, kleine Fenja?“ flüsterte Thalea und küsste abermals Amiras Bauch. „Du wirst auf jeden Fall irgendwann so schön und scharfsinnig sein wie deine Mutter!“

Thalea legte sich wieder auf Augenhöhe neben ihre Liebste. Sie spielte mit einer von Amiras haselnussbraunen Locken und betrachtete ihre klugen, lehmbraunen Augen. „Ich liebe dich, meine Sonne!“

Lächelnd strich Amira ihr über die Wange. „Ich liebe dich auch, mein Herz!“

Sanft nahm Thalea Amiras Gesicht in ihre Hände und küsste sie mit innigster Liebe. Doch dieser Moment wurde jäh unterbrochen, als plötzlich das Signalhorn erklang. Thalea und Amira schreckten hoch. Das hatte nichts Gutes zu bedeuten. Die Kriegerin eilte zur Brüstung des Baumhauses und sah besorgt hinunter. Unten auf dem Waffenplatz sah sie ihre Schwestern panisch umherrennen und ihre Waffen anlegen. „Valeria!“ rief sie. „Was ist los?“

Eine ihrer Schwestern blieb stehen und sah nach oben. Ihr blondes Haar hing ihr wirr im Gesicht. „Tabitha hat Krieger erspäht! Wir werden angegriffen!“ schrie sie.

„Bei Niteran!“ Thalea drehte sich beunruhigt zu Amira um. „Liebes, du bleibst hier! Versteck dich, hörst du?“

Dann legte sie ihre beiden Kurzschwerter an und hangelte sich an einer Strickleiter das Baumhaus hinunter. Die anderen Amazonen hatten sich bereits kampfbereit inmitten des Dorfes versammelt und warteten auf die Befehle ihrer Anführerin.

„Formiert euch!“ brüllte Thalea. „Tabitha, Shona, Faran, Liv! An die Bögen!“ Dann deutete sie auf eine weitere Gruppe Amazonen. „Ihr schützt die Flanken! Der Rest folgt mir!“

Die fremdländisch aussehenden Männer stürmten bereits von allen Seiten mit lautem Kriegsgeschrei auf sie zu. Sie trugen schlecht gegerbtes Leder und primitiv geschmiedete Waffen. Sie hatten breite Nasen, wulstige Augenbrauen und einen eisigen Blick, der einem das Blut in den Adern gefrieren ließ. Nordmänner! Doch etwas war anders an ihnen. Die Schädel der Krieger waren kahlrasiert und mit merkwürdigen Runen tätowiert, die Thalea völlig unbekannt waren. Nachdem sie sich einen schnellen Überblick verschafft hatte, wurde Thalea klar, dass sie ihnen zahlenmäßig unterlegen waren. Doch ihre Schwestern stellten sich tapfer den erbarmungslosen Angreifern entgegen. Thalea stürmte vorwärts und hielt im letzten Augenblick einen dieser Krieger davon ab, Valeria mit seiner Keule zu erschlagen. Sie hatte Mühe, den heftigen Schlag mit ihren Klingen zu parieren, und ging unter der Wucht des Schlages regelrecht in die Knie. Doch sie schaffte es den Kerl von sich zu stoßen und ihm den Stahl in die Rippen zu jagen. Valeria nickte ihr dankbar zu und stürzte sich, ohne zu zögern auf den nächsten Angreifer. Plötzlich vernahm Thalea die Schrei Amiras, die ihren Namen rief. Zwei Krieger hatten ihre Geliebte vom Baumhaus heruntergeholt und zerrten sie nun mit sich. Thalea rannte völlig außer sich hinter ihnen her. Doch, wie aus dem Nichts, tauchte plötzlich einer dieser seltsamen Männer vor ihr auf und stellte sich ihr in den Weg. Er zögerte nicht, holte mit einer doppelschneidigen Axt aus und schlug immer wieder auf Thalea ein. Behände wich sie aus und wehrte die Schläge mit ihren Schwertern ab, während sie sich bemühte, Amira nicht aus den Augen zu verlieren. Sie sah, wie sich ihre Geliebte vehement gegen die beiden anderen Krieger zu wehren versuchte. Ich muss ihr helfen!, schoss es Thalea durch den Kopf. Ihr Angreifer nutzte ihre Unaufmerksamkeit, um ihr mit dem Schaft der Axt einen Schlag ins Gesicht zu verpassen. Die Wucht des Schlages riss sie augenblicklich zu Boden, wo sie benommen liegen blieb. Hitze schoss ihr ins Gesicht, und ihr Kopf schien zu bersten. Ein schwarzer Schleier legte sich langsam über sie, und sie hatte das Gefühl, die Welt um sie herum würde in Finsternis versinken. Thalea bekam nur noch am Rande mit, wie der Krieger sie zu Boden drückte, ihre Tunika zerriss und ihre Schenkel auseinanderpresste. Das Letzte, was sie hörte, war Amira, die unter Schluchzen immer wieder ihren Namen schrie. Dann verlor sie das Bewusstsein.

Thalea wusste nicht, ob nur Minuten oder bereits Stunden vergangen waren, als sie langsam wieder zu sich kam. Das grelle Licht der Sonnenstrahlen, die durch das Blätterdach fielen, schmerzte in ihren Augen, und ihr Kopf dröhnte. Sie lag auf dem aufgeweichten Boden, und die feuchte Kälte kroch ihr langsam durch den Körper. Wo bin ich? Was ist geschehen? Thalea versuchte, sich mit aller Kraft aufzurichten, doch ihr Körper verkrampfte vor Schmerzen. Ihr wurde augenblicklich speiübel, und sie erbrach sich unter Stöhnen. Alles verschwamm vor ihren Augen, und sie drohte, abermals das Bewusstsein zu verlieren. Vehement kämpfte sie dagegen an, und erst nach einiger Zeit war sie in der Lage, sich aufzurichten. Ihre Tunika hing zerfetzt und mit Schlamm und Blut besudelt an ihrem Leib. Thalea blutete aus zahlreichen Wunden, und ihre Scham schmerzte brennend.

Dieses miese Schwein! schoss es ihr durch den Kopf, als ihr klar wurde, was der Krieger mit ihr angestellt hatte. Thalea strich sich eine Strähne ihres langen, kastanienbraunen Haares aus dem blutbeschmierten, schweißnassen Gesicht. Sie zuckte zusammen, als ihre Hand ihre Wange streifte. Sie war angeschwollen durch den Schlag, den der Krieger ihr mit dem Schaft seiner Axt verpasst hatte, und pochte heftig. Schmerzgepeinigt und verzweifelt blickte die Amazone um sich. Erst jetzt wurde sie dem Chaos um sie herum gewahr. Alles war niedergerissen worden, und die Baumhäuser sowie der Tempel am Fuße der Bäume brannten lichterloh.

„Amira!“, schrie sie verzweifelt. Doch sie bekam keine Antwort. Weder von ihrer Liebsten noch von einer ihrer Schwestern. Thaleas Blick fiel auf ihr Baumhaus, das hoch oben in der uralten Rieseneiche lodernd brannte. Selbst die saftig grünen Blätter hatten mittlerweile Feuer gefangen. Die Flammen züngelten gefährlich und schienen nach den anderen Bäumen greifen zu wollen. Vor Schmerzen stöhnend, schaffte Thalea es aufzustehen. Ihr sonst so kraftstrotzender, sehniger Körper wirkte schwach und zerbrechlich, als sie wankend umherlief und Amira und die anderen suchte.

„Amira!“, schrie sie. Es kam keine Antwort. Thalea stolperte weiter vorwärts. Etwas außerhalb des Lagers sah sie eine weitere Rauchsäule aufsteigen. Als sie näherging, erblickte sie etwas, das sie vor Entsetzen aufschreien ließ.

„Nein!“ Allen Schmerz ignorierend, rannte sie zu der Lichtung. Dort waren ihre Schwestern auf einem Scheiterhaufen übereinandergeschichtet worden. Ihre gekrümmten, verkohlten Leiber zeugten von dem Drama, das hier stattgefunden hatte. Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg Thalea in die Nase und sie musste würgen. „Nein!“, wisperte sie und sank kraftlos auf die Knie. Fassungslos hielt sie die Hände vor den Mund und wimmerte. Sie konnte ihren Blick nicht von diesem schrecklichen Anblick abwenden. Da lagen Alte Meret, Vendis, Mahana, Shona … Die Gesichter der anderen konnte sie nicht mehr erkennen. Sie waren schwarz verkohlt und schrecklich entstellt … So viele … Alle tot. Amira … bitte nicht auch Amira. Tränen verschleierten Thaleas Blick. Völlig außer sich schlug sie laut schreiend mit den Fäusten auf den Boden. Doch dann hörte sie, wie jemand leise ihren Namen rief. Hoffnungsvoll schaute Thalea sich um und suchte die Umgebung ab. Da entdeckte sie die Späherin Tabitha, die etwas abseits im hohen Gras lag. Thalea rannte zu ihr.

„Tabitha! Du lebst!“ Sie beugte sich über sie und hielt augenblicklich inne. In der Brust der Späherin steckte ein Dolch. Tabitha sah Thalea mit weit aufgerissenen Augen an und packte sie grob am Handgelenk.

„Amira …“, röchelte sie, während sie unaufhörlich Blut spuckte. „Sie haben sie mitgenommen!“

„Was?“ Thalea war starr vor Schrecken. „Ich verstehe nicht…!“

„Du kannst sie noch retten. Sie sind nach Nordosten. Du musst dich beeilen.“ Mit letzter Kraft drückte Tabitha Thaleas Hand. Dann wurde ihr Blick leer und ihr Körper erschlaffte in Thaleas Armen. Aus ihren Augen war jegliches Leben gewichen. Thalea vergrub ihr Gesicht in Tabithas blutgetränkten Haaren und weinte bitterlich. Sie konnte einfach nicht glauben, was geschehen war. Sie schrie laut auf: „Oh Niteran, warum tust du mir das an? Wo bist du?“ Sie hoffte, jeden Augenblick aus diesem Albtraum aufzuwachen … Doch sie wartete vergebens.

Kurze Zeit später hatte Thalea eine Hose aus weichem, braunem Wildleder sowie ein robustes Lederwams mit Fellbesatz angezogen, die sie in einer unversehrten Holztruhe gefunden hatte. Dann folgte sie im Dauerlauf der Spur der Krieger. Die Horde hatte mit ihren Pferden eine regelrechte Schneise im Wald hinterlassen, sodass es Thalea leichtfiel, ihnen zu folgen. Sie ignorierte die Schmerzen, die bei jedem Schritt peinigten, und lief immer weiter. Sie überwand die großen Wurzeln der Rieseneichen und kämpfte sich durch das dichte Gestrüpp des Waldes. Nichts konnte sie aufhalten. Sie wusste, dass sie ohne Unterlass laufen musste, denn wenn diese Bastarde erst einmal die Steppe erreichten, konnten sie die Schnelligkeit ihrer Pferde voll ausnutzen und Thalea würde sie nie mehr einholen können. Sie hatte im Dorf schon zu viel Zeit verloren. Sie hatte es einfach nicht übers Herz gebracht, die Leichname ihrer Schwestern, die nicht den Flammen zum Opfer gefallen waren, zurückzulassen. Sie hatte sie – oder das, was von ihnen noch übrig war – ehrenhalber dem Feuer übergeben. Danach hatte sie sich das Blut und den Schmutz von ihrem geschundenen Körper gewaschen und Gallenwurz eingenommen, um den Samen des Kriegers in ihrem Leib abzutöten. Das Letzte, was sie jetzt noch gebrauchen konnte, war ein Kind, das aus dieser Schandtat in ihr heranwuchs. Anschließend packte sie alles Nützliche, das sie finden und unterwegs gebrauchen konnte, in einen Rucksack, der jetzt schwer auf ihrem Rücken hing. Viel war es nicht, denn diese Kerle hatten fast alles geplündert. Und was sie nicht geplündert hatten, war ihrer Zerstörungswut zum Opfer gefallen.

Thalea gönnte sich kaum eine Pause. Sie rastete nur, wenn es unbedingt sein musste. Ihr einziges Ziel war es, diese Krieger einzuholen. Alles andere war ihr gleichgültig. Verbittert und voller Hass lief sie weiter, bis die Nacht hereinbrach.

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